Offensichtlich versprach das Schatzsuche-Format großen Erfolg – warum also nicht auch für die Verkündung an die Familien nutzen? Diesmal waren die Hauptdarsteller nicht Virgi, sondern die Kinder des Hauses – aber ich muss zugeben, der Unterschied war kaum zu merken…
Wir waren alle bei meinen Eltern in Traversetolo bei Parma versammelt, um den Heiligabend zu feiern, und ich hatte – wieder einmal – ein paar Reimgeschichten vorbereitet. Ich war ja inzwischen schon etwas geübt (auch wenn ich ein bisschen Hilfe bekommen habe). Die erste, von mir vorgelesen, um das Spiel zu eröffnen, lautete so:
Dies ist gewiss ein riesiger Moment,
kein Geschenk, doch ein echtes Event!
Für Samu, tapferer Rittersmann,
Anführer aller Cousins sodann!
Ist schwer die Suche, brauchst du nicht flieh’n,
du darfst schon zu deinem Helfer zieh’n;
Nicht nur Cousin, auch ein frecher Held,
der dritte Pirat in unserer Welt!
Weißt du, wer gemeint ist, kleiner Held?
Nur seine Mama kennt das nächste Feld.
Samuele war nämlich der Auserwählte, die Spiele zu leiten: Er musste das Rätsel lösen und die jeweils gefundenen Geschenke an seine kleineren Cousins weitergeben – so haben wir gleichzeitig unsere Pflicht als gute Onkel und Tanten erfüllt. Das letzte Rätsel, in dem dann auch die Nachricht der Hochzeit ausdrücklich genannt wurde, wurde (ça va sans dire) meiner Mutter überlassen. Leider gibt es kein Video davon, das wir euch zeigen könnten – aber glaubt mir, ich hätte es mit Freude veröffentlicht. Bei den Worten: „Wenn Apulien so gastlich euch erscheint, / dann feiert bald, was euer Herz vereint!“ herrschte kurz kollektive Verwirrung: Beide meine Eltern starrten für drei, vier Sekunden das Blatt an – mein Vater mit offenem Mund, meine Mutter mit aufgerissenen Augen und einem so knallroten Gesicht, dass man es kaum vom Weihnachtspulli unterscheiden konnte, den sie trug. Überraschung!


Für die Ankündigung an die Familie in Apulien konnte es natürlich nur eine Empfängerin geben: Nonna Anna. Für sie haben wir uns besonders ins Zeug gelegt – wir haben gemeinsam sogar ein Sonett verfasst (im Stil von Petrarca, aber ersparen wir uns hier die literarischen Feinheiten…). Das muss ich gar nicht abschreiben – ihr findet es nämlich auf der Rückseite der Einladung, die ihr erhalten habt. Es war nur nicht mit Tinte geschrieben und trug den Titel: „Sonett für die Oma“.1 Nach den traditionellen weihnachtlichen Völlereien nahmen wir also rechtzeitig das Flugzeug, um das Mittagessen am Stephanstag bei Virgís Eltern nicht zu verpassen (wir achten schließlich auch im Urlaub auf eine ausgewogene Ernährung) – und beim Geschenkeauspacken holten wir unsere letzte Überraschung hervor. Von dieser Ankündigung gibt es tatsächlich ein kleines Video – dank einer eingeweihten Komplizin. Allerdings hat sich die Nachricht nicht ganz auf Anhieb verbreitet, denn in diesem Haus ist ein guter Teil der Anwesenden etwas schwerhörig, und Nonna Annas Vortrag war eher leise und zart…
Trotzdem war es ein weiterer schöner Moment – und Paola und Antonios große Hunde haben das Ganze mit ihren Freudensprüngen, ihrem Jaulen und fröhlichen Gebell perfekt abgerundet!

- Die Kapelle, schon der Familie lieb,
auf ihrem Platz wird immer ehrwürd’ger,
sie trägt des Nikolaus Gewicht nicht trüber,
ein Ort, wo Staunen ewig weitertrieb.
Wer ahnte je, dass solch ein neues Glied,
mit edlem Erbe, stolzem Blut wie früher,
sich mit mir träumt – verrückter Plan, doch zügig –
dorthin zu zieh’n in einem Augenblick?
Die Zeit ist reif, das Fest nun auszurufen,
und Boten weit und breit hinauszusenden,
damit die frohe Nachricht bald erklingt:
„Am Tag, da Trauben reifen an den Stufen,
versprechen wir uns treu bis zu den Enden,
und eine neue schöne Fam’ entsteht!“ ↩︎
